Erlkönig!
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind
Es ist der Vater mit seinem Kind
er hat den Knaben wohl in dem Arm
er fasst ihn sicher, er hält ihn warm
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht
Den Erlkönig mit Kron' und Schweif
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif
Du liebes Kind, komm, geh mit mir
Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir
manch bunte Blumen sind an dem Strand
meine Mutter hat manch gülden Gewand
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht
was Erlenkönig mir leise verspricht
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind
In dürren Blättern säuselt der Wind
"Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn
Meine Töchter sollen dich warten schön
meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
und wiegen und tanzen und singen dich ein
Mein Vater, mein Vater und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau
Es scheinen die alten Weiden so grau
"Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt
und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt
Mein Vater, mein Vater, jetzt fasst er mich an
Erlkönig hat mir ein Leids getan
Dem Vater grauset's, er reitet geschwind
er hält in den Armen das ächzende Kind
erreicht den Hof mit Mühe und Not
in seinen Armen das Kind war tot
Von Johann Wolfgang von Goethe!