Abschied!
Du füllst mich an wie Blut die frische Wunde
und rinnst hernieder seine dunkle Spur
du dehnst dich aus wie Nacht in jener Stunde
da sich die Matte färbt zur Schattenflur
du blühst wie Rosen schwer in Gärten allen
du Einsamkeit aus Alter und Verlust
du Überleben, wenn die Träume fallen
zuviel gelitten und zuviel gewusst
Entfremdet früh dem Wahn der Wirklichkeiten
versagend sich der schnell gegebenen Welt
ermüdet von dem Trug der Einzelheiten
da keine sich dem tiefen Ich gesellt
nun aus der Tiefe selbst, durch nichts rühren
und die kein Wort und Zeichen je verrät
musst du dein Schweigen nehmen
Abwärtsführen zu Nacht und Trauer und den Rosen spät
Manchmal noch denkst du dich
die eigene Sage --: das warst du doch
ach, wie du dich vergasst! war das dein Bild
war das nicht deine Frage, dein Wort, dein Himmelslicht, das du besasst
Mein Wort, mein Himmelslicht, dereinst besessen
mein Wort, mein Himmelslicht, zerstört, vertan
wem das geschah, der muss sich wohl vergessen
und rührt nicht mehr die alten Stunden an
Ein letzter Tag --: spätglühend, weite Räume
ein Wasser führt dich zu entrücktem Ziel
ein hohes Licht umströmt die alten Bäume
und schafft im Schatten sich ein Widerspiel
von Früchten nichts, aus Ähren keine Krone
und auch nach Ernten hat er nicht gefragt
er spielt sein Spiel, und fühlt sein Licht und ohne Erinnern nieder
alles ist gesagt
Von Gottfried Benn!